Wärmepumpe mit Photovoltaik: Wie viel Solarstrom die Heizung wirklich nutzen kann
Eine Wärmepumpe kann im Einfamilienhaus rund ein Drittel ihres Jahresstroms direkt aus einer 10-kWp-Photovoltaikanlage beziehen, mit Wärmespeicher und Steuerung bis etwa 70 Prozent. Die Grenze setzt der Winter: Von November bis Januar fehlen in unserer Beispielrechnung rund 870 kWh Solarstrom.
Eine eigene Stundenrechnung von photovoltaikfirma-finden.de für ein Haus bei Kassel zeigt: Eine 10-kWp-Anlage erzeugt rund 10.300 kWh im Jahr, die Wärmepumpe braucht bei 14.500 kWh Wärme und einer Jahresarbeitszahl von 3,4 rund 4.270 kWh Strom. Ohne Lastverschiebung deckt Solarstrom 33 % davon, mit Tagesverschiebung über Puffer und Warmwasser bis 70 %. 72 % des Wärmepumpenstroms fallen von Oktober bis März an, aber nur 29 % des Solarertrags. Jede selbst genutzte kWh spart 29,3 Cent gegenüber Netzbezug abzüglich Einspeisevergütung.
Wie viel Solarstrom kann eine Wärmepumpe wirklich nutzen?
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe nutzt in einem typischen Einfamilienhaus rund 30 bis 35 Prozent ihres Jahresstroms direkt aus der PV-Anlage, solange sie ungesteuert läuft. Mit Pufferspeicher, Warmwasserbereitung am Mittag und SG-Ready-Steuerung steigt der Anteil in Richtung 60 bis 70 Prozent.
Der Solaranteil am Wärmepumpenstrom heißt Deckungsgrad. Der Deckungsgrad beschreibt, welcher Teil des Stroms, den die Wärmepumpe verbraucht, in derselben Stunde von der eigenen Photovoltaikanlage stammt. Er unterscheidet sich vom Eigenverbrauchsanteil, der misst, welcher Teil des Solarstroms im Haus bleibt.
Drei Faktoren bestimmen den Deckungsgrad: die Jahreszeit, die Tageszeit und die Speicherfähigkeit des Heizsystems. Die Jahreszeit wirkt am stärksten, weil der Heizbedarf im Dezember rund sechseinhalbmal so hoch ist wie im Juli, während die PV-Anlage im Juli rund fünfmal so viel Strom liefert wie im Dezember.
Die Tageszeit wirkt im Winter zusätzlich. Die Sonne liefert zwischen etwa 9 und 15 Uhr Strom, die Wärmepumpe heizt über 24 Stunden. Ein Pufferspeicher, die Fußbodenheizung als träge Masse und der Warmwasserspeicher verschieben einen Teil der Heizarbeit in die Mittagsstunden.
Wie stark sich der Eigenverbrauchsanteil der gesamten PV-Anlage durch die Wärmepumpe verändert, behandelt der Beitrag Wärmepumpe und Eigenverbrauch: Wie stark der Anteil steigt. Dieser Artikel rechnet die Gegenrichtung: wie viel des Heizstroms die Sonne liefert und wo die Lücke liegt.
Monatsbilanz: Wie groß ist die Winterlücke in kWh?
Die Winterlücke eines Hauses mit Wärmepumpe und 10-kWp-Anlage beträgt in der Rechnung von photovoltaikfirma-finden.de rund 870 kWh pro Jahr. Von November bis Januar verbraucht die Wärmepumpe mehr Strom, als die PV-Anlage im selben Monat erzeugt. Von Februar bis Oktober entsteht ein Überschuss.
Eigene Auswertung: Beispielhaus bei Kassel (Region Mitte)
Die folgende Tabelle ist eine eigene Auswertung von photovoltaikfirma-finden.de auf Basis stündlicher Ertrags- und Temperaturdaten aus PVGIS (Europäische Kommission, Joint Research Centre, Datenbank PVGIS-SARAH3 und ERA5, Jahre 2019 bis 2023, abgerufen am 30.09.2026). Die Werte sind Mittelwerte dieser fünf Jahre.
| Monat | PV-Ertrag 10 kWp (kWh) | Wärmebedarf (kWh) | Wärmepumpenstrom (kWh) | Monatsbilanz PV − WP (kWh) | Direkt gedeckt, stündlich (kWh) |
|---|---|---|---|---|---|
| Januar | 263 | 2.103 | 619 | −355 | 118 |
| Februar | 589 | 1.794 | 528 | +61 | 155 |
| März | 976 | 1.796 | 528 | +448 | 210 |
| April | 1.256 | 1.463 | 430 | +826 | 204 |
| Mai | 1.273 | 1.034 | 304 | +968 | 164 |
| Juni | 1.390 | 295 | 87 | +1.303 | 52 |
| Juli | 1.207 | 304 | 89 | +1.118 | 52 |
| August | 1.197 | 294 | 87 | +1.110 | 47 |
| September | 1.026 | 625 | 184 | +842 | 83 |
| Oktober | 591 | 1.114 | 328 | +264 | 115 |
| November | 338 | 1.679 | 494 | −156 | 114 |
| Dezember | 232 | 1.998 | 588 | −355 | 100 |
| Jahr | 10.338 | 14.500 | 4.265 | Lücke −867 | 1.413 |
Annahmen der Rechnung: PV-Anlage mit 10 kWp, Südausrichtung, 35 Grad Neigung, 14 % Systemverluste, Standort Kassel (51,31° N, 9,48° O). Wärmebedarf 12.000 kWh Heizwärme plus 2.500 kWh Warmwasser, also 14.500 kWh. Die Heizwärme ist nach Heizgradtagen verteilt (Innentemperatur 20 °C, Heizgrenze 15 °C Tagesmittel), das Warmwasser gleichmäßig über das Jahr. Die Wärmepumpe arbeitet mit einer festen Jahresarbeitszahl von 3,4 und verteilt die Tageslast gleichmäßig auf 24 Stunden. Der Haushaltsstrom ist nicht eingerechnet.
Drei Kennzahlen folgen aus der Tabelle:
- Stündlich direkt gedeckt: 1.413 kWh oder 33 % des Wärmepumpenstroms, ohne jede Lastverschiebung.
- Bei idealer Tagesverschiebung: 2.974 kWh oder 70 %, wenn Puffer- und Warmwasserspeicher den gesamten Tagesbedarf in die Sonnenstunden legen könnten.
- Theoretische Monatsbilanz: 3.398 kWh oder 80 %, die nur mit einem saisonalen Speicher erreichbar wären, den es im Einfamilienhaus praktisch nicht gibt.
Die Monatsbilanz überschätzt den nutzbaren Solarstrom deshalb deutlich. Ein Juli-Überschuss von über 1.100 kWh hilft im Dezember nicht. Die Spalte „Direkt gedeckt, stündlich“ ist die belastbare Untergrenze, die Tagesverschiebung die Obergrenze.
Die feste Jahresarbeitszahl schönt den Winter. Bei Frost sinkt die Effizienz einer Luft-Wasser-Wärmepumpe, der Stromverbrauch in Dezember und Januar liegt real höher als in der Tabelle. Die tatsächliche Winterlücke fällt damit größer aus als 870 kWh.
Der Februar kippt in der Rechnung ins Plus, obwohl er ein Heizmonat ist: 589 kWh PV-Ertrag stehen 528 kWh Wärmepumpenstrom gegenüber. Stündlich nutzbar sind davon aber nur 155 kWh, weil die Wärmepumpe nachts und morgens den größten Teil ihrer Arbeit leistet. Wer die Heizkurve so einstellt, dass der Puffer mittags eine Stufe höher geladen wird, holt genau in Februar, März und Oktober den größten Zugewinn. In diesen drei Monaten liegt die Differenz zwischen stündlicher und tagesverschobener Deckung bei zusammen rund 630 kWh.
Anzeige Kostenlos und unverbindlich
Angebote für eine Wärmepumpe vergleichen
- Anfrage in wenigen Minuten ausfüllen
- Passende Fachbetriebe aus Ihrer Region erhalten die Anfrage
- Angebote in Ruhe vergleichen, ohne Pflicht zur Beauftragung
Ihre Anfrage geht an unseren Vermittlungspartner. Für Sie ist sie kostenlos und unverbindlich; wir erhalten bei einer Vermittlung eine Vergütung. Hinweise zum Datenschutz
Warum passen Solarertrag und Heizbedarf so schlecht zusammen?
Solarertrag und Heizbedarf verlaufen gegenläufig: 72 % des Wärmepumpenstroms fallen im Beispielhaus von Oktober bis März an, aber nur 29 % des jährlichen PV-Ertrags. Die Sonne liefert ihren Strom im Sommerhalbjahr, die Wärmepumpe braucht ihn im Winterhalbjahr.
Der niedrige Sonnenstand im Winter verkürzt die Tage und verlängert den Weg des Lichts durch die Atmosphäre. Eine Südanlage bei Kassel liefert im Dezember laut PVGIS rund 23 kWh je Kilowattpeak, im Juni rund 139 kWh je Kilowattpeak. Schnee auf den Modulen und Nebel verringern den Winterertrag an einzelnen Tagen auf nahe null.
Der Heizbedarf folgt der Außentemperatur. Im Januar liegt das Monatsmittel bei Kassel laut ERA5-Daten bei 1,6 °C, im Juli bei 18,4 °C. Von Juni bis August braucht das Haus nur Warmwasser, rund 7 kWh Wärme am Tag.
Ein Batteriespeicher gleicht diesen saisonalen Versatz nicht aus. Ein 10-kWh-Speicher verschiebt Strom über Stunden, nicht über Monate. Die Winterlücke von rund 870 kWh entspricht bei einer Speicherfüllung pro Tag dem Inhalt von 87 vollen Ladungen, die im Winter mangels Überschuss gar nicht zustande kommen. Warum das auch für den Haushaltsstrom gilt, zeigt der Beitrag Winter-Autarkiegrad bei PV: Warum volle Autarkie scheitert.
Wie wird eine Wärmepumpe mit der PV-Anlage gekoppelt?
Wärmepumpe und PV-Anlage werden über eine Steuerschnittstelle wie SG Ready oder ein Energiemanagementsystem gekoppelt. Die Steuerung meldet Solarüberschuss an die Wärmepumpe, die daraufhin Puffer- oder Warmwasserspeicher mit höherer Temperatur lädt.
SG Ready ist ein Label des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP) für Wärmepumpen mit einer standardisierten Schaltschnittstelle. Die Schnittstelle kennt vier Betriebszustände: Sperre, Normalbetrieb, verstärkter Betrieb (Einschaltempfehlung) und Anlaufbefehl. Bei PV-Überschuss schaltet ein Wechselrichter-Kontakt oder ein Energiemanagementsystem die Wärmepumpe in den verstärkten Betrieb.
Ein Energiemanagementsystem (EMS) misst am Netzanschlusspunkt, wie viel Strom ins Netz fließt, und verteilt den Überschuss nach Prioritäten auf Verbraucher wie Wärmepumpe, Batteriespeicher und Wallbox. Moderne Wärmepumpen lassen sich zusätzlich über Herstellerschnittstellen wie Modbus oder EEBus in der Leistung modulieren, statt nur ein- und auszuschalten.
Fünf Bauteile bestimmen, wie viel Solarstrom die Wärmepumpe verwerten kann:
- Pufferspeicher: Wassertank im Heizkreis, der Wärme für einige Stunden vorhält.
- Warmwasserspeicher: lässt sich mittags auf 50 bis 55 °C laden und deckt den Bedarf bis zum nächsten Tag.
- Fußbodenheizung: speichert als Estrichmasse Wärme und verträgt eine leichte Überheizung um 1 bis 2 Kelvin.
- Zählerkonzept: Solarstrom erreicht die Wärmepumpe nur, wenn beide am selben Zähler hängen oder eine Kaskadenschaltung den Wärmepumpenzähler hinter den Hauszähler legt.
- Heizstab: elektrischer Zusatzheizer mit Wirkungsgrad 1, der pro kWh Strom ein Drittel der Wärme einer Wärmepumpe liefert und nur für echte Überschüsse taugt.
Der Heizstab spielt im Normalbetrieb kaum eine Rolle. Im Feldtest „WP-QS im Bestand“ des Fraunhofer ISE übernahmen Heizstäbe bei Luft-Wasser-Wärmepumpen lediglich 1,3 % der elektrischen Arbeit (Presseinformation vom 20.11.2025).
Wie groß sollten PV-Anlage und Speicher bei einer Wärmepumpe sein?
Für ein Einfamilienhaus mit Wärmepumpe ist eine PV-Anlage von 10 kWp oder mehr sinnvoll, wenn das Dach die Fläche bietet. Die Größe richtet sich nach dem Gesamtverbrauch aus Haushalt und Wärmepumpe, nicht nach dem Winterbedarf, den keine Dachanlage vollständig deckt.
Der Gesamtverbrauch im Beispielhaus liegt bei rund 8.300 kWh: etwa 4.000 kWh Haushaltsstrom plus 4.265 kWh Wärmepumpenstrom. Eine 10-kWp-Anlage erzeugt mit dem Richtwert von 950 kWh je kWp für die Region Mitte rund 9.500 kWh und damit in der Jahressumme mehr, als das Haus verbraucht.
Eine größere Anlage erhöht vor allem den Winterertrag in absoluten kWh. Eine 15-kWp-Anlage liefert im Dezember in der PVGIS-Rechnung rund 350 statt 230 kWh. Sie verkleinert die Winterlücke, schließt sie aber nicht. Der Sommerüberschuss wächst gleichzeitig und fließt zur Einspeisevergütung ins Netz.
Ost-West-Dächer liefern morgens und nachmittags Strom und passen damit besser zum Tagesprofil einer Wärmepumpe als eine reine Südausrichtung. Steilere Modulneigungen von 45 bis 60 Grad heben den Winterertrag relativ zum Sommerertrag an.
Ein Batteriespeicher von 5 bis 10 kWh verschiebt Solarstrom in den Abend und die Nacht. Er hilft der Wärmepumpe in der Übergangszeit von März bis Mai und September bis Oktober, im Kernwinter fehlt der Überschuss zum Laden. Die ausführliche Größenplanung inklusive E-Auto behandelt der Beitrag PV-Anlagengröße für Wärmepumpe und E-Auto richtig planen.
Was spart eine Wärmepumpe mit Photovoltaik pro Jahr?
Jede kWh Solarstrom, die die Wärmepumpe statt Netzstrom nutzt, bringt 29,3 Cent Vorteil: 37,0 Cent Haushaltsstrompreis laut BDEW abzüglich 7,70 Cent entgangener Einspeisevergütung. Im Beispielhaus ergibt das rund 410 bis 870 Euro pro Jahr, je nach Steuerung.
Rechnung für das Beispielhaus
| Betriebsweise | Solarstrom für die Wärmepumpe | Vorteil je kWh | Vorteil pro Jahr |
|---|---|---|---|
| Ohne Steuerung (stündlich direkt) | 1.413 kWh | 29,3 ct | rund 414 € |
| Mit idealer Tagesverschiebung | 2.974 kWh | 29,3 ct | rund 871 € |
Die Grundwerte stammen aus zwei Quellen. Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis 2026 liegt laut BDEW-Strompreisanalyse vom 21.08.2026 bei 37,0 ct/kWh. Die Einspeisevergütung für Teileinspeisung beträgt laut Bundesnetzagentur 7,70 ct/kWh für den Anteil bis 10 kWp und 6,66 ct/kWh für den Anteil von 10 bis 40 kWp, jeweils für Anlagen mit Inbetriebnahme ab dem 01.08.2026.
Der Haushaltsstrom konkurriert mit der Wärmepumpe um denselben Solarstrom. Das Rechner-Modell von photovoltaikfirma-finden.de zeigt den Effekt: Bei 10 kWp in der Region Mitte und 4.000 kWh Haushaltsverbrauch liegt der Eigenverbrauch bei 18 % oder rund 1.700 kWh. Mit zusätzlich 4.265 kWh Wärmepumpenstrom steigt er auf 28 % oder rund 2.620 kWh. Der Mehrverbrauch von rund 920 kWh Solarstrom entspricht rund 270 Euro Vorteil pro Jahr ohne gezielte Steuerung. Eigene Werte lassen sich im PV-Rechner durchspielen.
Ein separater Wärmepumpentarif verändert die Rechnung. Wer die Wärmepumpe über einen eigenen Zähler mit günstigerem Arbeitspreis betreibt, spart pro Solar-kWh nur die Differenz zwischen diesem Tarif und der Einspeisevergütung. Die Kosten der PV-Anlage selbst zeigt der Beitrag Photovoltaik-Kosten 2026: Was eine PV-Anlage pro kWp, mit Speicher und nach Größe kostet.
Welche Förderung und Regeln gelten 2026 für Wärmepumpe und PV?
Wärmepumpe und PV-Anlage folgen getrennten Regeln: Die Wärmepumpe wird über die KfW-Heizungsförderung bezuschusst, die PV-Anlage bis 30 kWp profitiert vom Nullsteuersatz. Eine gemeinsame Förderung für das Kombipaket gibt es auf Bundesebene nicht.
- Heizungsförderung (KfW 458): Die KfW nennt für den Heizungstausch in Wohngebäuden einen Zuschuss von bis zu 70 % der förderfähigen Kosten (KfW-Produktseite, abgerufen am 30.09.2026). Der Antrag muss vor Beginn der Arbeiten gestellt sein.
- Nullsteuersatz: Für Lieferung und Installation von PV-Anlagen bis 30 kWp auf oder an Wohngebäuden gilt nach § 12 Abs. 3 UStG ein Umsatzsteuersatz von 0 %.
- § 14a EnWG: Wärmepumpen mit mehr als 4,2 kW Anschlussleistung, die seit dem 01.01.2024 in Betrieb gehen, gelten als steuerbare Verbrauchseinrichtungen. Der Netzbetreiber darf ihre Leistung bei Netzengpässen auf mindestens 4,2 kW drosseln, im Gegenzug sinkt das Netzentgelt (Festlegungen der Bundesnetzagentur BK6-22-300 und BK8-22/010-A).
Die Angaben zu Förderung, Umsatzsteuer und § 14a EnWG geben den Stand vom 30.09.2026 wieder und ersetzen keine Steuer- oder Rechtsberatung. Förderrichtlinien und Fördersätze ändern sich kurzfristig. Prüfen Sie vor dem Auftrag die aktuellen Bedingungen direkt bei der KfW und stellen Sie den Förderantrag vor der Unterschrift unter den Liefervertrag mit aufschiebender Bedingung.
Wie gehen Sie bei der Planung vor? Der 4-Stufen-Solarheizungs-Check
Der 4-Stufen-Solarheizungs-Check von photovoltaikfirma-finden.de ordnet die Planung in vier Schritte: Verbrauch ermitteln, Winterlücke abschätzen, Steuerung festlegen, Angebote vergleichen. Die Reihenfolge verhindert, dass PV-Anlage und Wärmepumpe getrennt und ohne Abstimmung geplant werden.
- Verbrauch ermitteln: Wärmebedarf aus dem bisherigen Gas- oder Ölverbrauch ableiten und durch die erwartete Jahresarbeitszahl teilen. Der Fraunhofer-ISE-Feldtest maß bei 61 Luft-Wasser-Wärmepumpen im Bestand eine mittlere Jahresarbeitszahl von 3,4 (Spanne 2,6 bis 4,9), bei 16 Erdreich-Wärmepumpen 4,3.
- Winterlücke abschätzen: Monatliche PV-Erträge (etwa aus PVGIS) dem monatlichen Wärmepumpenstrom gegenüberstellen, wie in der Tabelle oben. Die Summe der Fehlmengen von November bis Januar zeigt den Netzbezug, den keine Dachgröße verhindert.
- Steuerung festlegen: SG-Ready-Kontakt oder EMS-Anbindung, Pufferspeicher, Zählerkonzept und Heizkurve im Angebot schriftlich festhalten lassen.
- Angebote vergleichen: Mindestens zwei Angebote einholen, bei denen Wärmepumpe und PV-Anlage aufeinander abgestimmt sind, idealerweise von einem Betrieb, der beide Gewerke ausführt.
Im Verzeichnis von photovoltaikfirma-finden.de sind Photovoltaik-Firmen mit Wärmepumpen-Angebot gesondert gelistet, Stand 30.09.2026 sind es 1.041 der 1.958 Betriebe mit PV-Nachweis. Alle Fachbetriebe nach Region zeigt die Übersicht Photovoltaik-Firma finden. Unverbindliche Angebote für die Heizung lassen sich über Wärmepumpe-Angebote vergleichen anfordern.
💬 Einschätzung der Redaktion
Die verbreitete Rechnung „10.000 kWh Solarstrom, 4.300 kWh Wärmepumpe, also heizt die Sonne“ geht in der Jahressumme auf und in der Praxis nicht. Unsere Stundenrechnung zeigt, dass ohne Steuerung nur ein Drittel des Heizstroms vom Dach kommt. Der größte Hebel liegt deshalb nicht in zusätzlichen Modulen, sondern in der Regelung: Ein SG-Ready-Kontakt, ein Warmwasserspeicher mit Mittagsladung und eine Heizkurve, die Überschüsse in den Puffer legt, verdoppeln den Solaranteil in unserer Rechnung von 1.413 auf bis zu 2.974 kWh. Das sind rund 450 Euro im Jahr, die bei der Angebotsprüfung mehr zählen als ein Kilowattpeak mehr auf dem Dach.
- 33 % des Wärmepumpenstroms deckt eine 10-kWp-Anlage ohne Steuerung direkt, bis 70 % mit Tagesverschiebung.
- Die Winterlücke von November bis Januar beträgt im Beispielhaus rund 870 kWh.
- 72 % des Heizstroms fallen von Oktober bis März an, aber nur 29 % des Solarertrags.
- Jede selbst genutzte kWh bringt 29,3 ct Vorteil (37,0 ct BDEW minus 7,70 ct Einspeisevergütung).
- Der 4-Stufen-Solarheizungs-Check: Verbrauch ermitteln, Winterlücke abschätzen, Steuerung festlegen, Angebote vergleichen.
Mehr zum Thema im Bereich Wärmepumpe & E-Auto · Passend dazu: PV-Anlagengröße für Wärmepumpe und E-Auto richtig planen · Wärmepumpe und E-Auto: Wie stark steigt der Stromverbrauch?
Häufige Fragen zur Wärmepumpe mit Photovoltaik
Wann lohnt sich eine Wärmepumpe mit Photovoltaik?
Eine Wärmepumpe mit Photovoltaik lohnt sich besonders, wenn die Wärmepumpe über SG Ready oder ein Energiemanagementsystem gesteuert wird und einen Puffer- oder Warmwasserspeicher hat. Dann nutzt sie in der Übergangszeit und im Sommer einen großen Teil des Solarstroms zu 29,3 ct Vorteil je kWh.
Kann man jede Wärmepumpe mit Photovoltaik betreiben?
Jede elektrische Wärmepumpe kann Solarstrom nutzen, sofern sie am selben Zählerkreis wie die PV-Anlage hängt. Gezielt auf Überschüsse reagieren nur Geräte mit SG-Ready-Schnittstelle oder einer Hersteller-Anbindung an das Energiemanagementsystem.
Wie viel Photovoltaik braucht man für eine Wärmepumpe?
Für ein Einfamilienhaus mit rund 4.000 kWh Haushaltsstrom und 4.000 bis 4.500 kWh Wärmepumpenstrom passt eine Anlage ab 10 kWp. Sie erzeugt in der Region Mitte rund 9.500 kWh im Jahr, deckt den Winterbedarf aber nicht vollständig.
Wie viel Batteriespeicher braucht man für eine Wärmepumpe?
Ein Batteriespeicher von 5 bis 10 kWh reicht für die Verschiebung in den Abend. Für die Wärmepumpe wirkt ein Pufferspeicher oft günstiger, weil Wasser Wärme speichert und im Winter ohnehin kaum Überschuss zum Laden einer Batterie anfällt.
Einen ausführlichen Blick auf Wärmepumpe mit vielen Beispielen, eigenen Erfahrungen und praktischen Empfehlungen liefert übrigens auch Waermepumpe.
Was ist der größte Nachteil der Kombination?
Der größte Nachteil ist der zeitliche Versatz: Die Wärmepumpe braucht ihren Strom im Winter, die PV-Anlage liefert ihn im Sommer. Im Beispielhaus bleiben von November bis Januar rund 870 kWh Wärmepumpenstrom, die aus dem Netz kommen müssen.
Quellen
- Europäische Kommission, Joint Research Centre: PVGIS, Stundenreihen 2019–2023 für 51,31° N, 9,48° O, abgerufen am 30.09.2026.
- Fraunhofer ISE: Wärmepumpen heizen auch im Altbau klimafreundlich, Presseinformation vom 20.11.2025.
- BDEW: BDEW-Strompreisanalyse, Stand August 2026.
- Bundesnetzagentur: EEG-Förderung und Fördersätze, Veröffentlichung vom 25.06.2026.
- KfW: Heizungsförderung für Privatpersonen (458), abgerufen am 30.09.2026.
- Umsatzsteuergesetz, § 12 Abs. 3 UStG; Energiewirtschaftsgesetz, § 14a EnWG.



